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Capabilities

Das theoretische Fundament der Wirkungsbestimmung im Rahmen von Wir.EB soll an den aktuellen Stand des fachlichen Diskurses in der Wirkungsforschung anknüpfen. Eine zunehmende Verbreitung und Anerkennung findet dabei der sogenannte „Capability Approach“ (s. etwa 14. Kinder- und Jugendbericht, 2013), bei dem Grundbefähigungen und Verwirklichungschancen für ein gelingendes Leben im Mittelpunkt stehen.

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Der Capability Approach wurde ursprünglich von dem indischen Wirtschafswissenschaftler und Nobelpreisträger Amartya Sen entwickelt und zielte zunächst darauf ab, Lebensqualität und Wohlstand, auch über rein ökonomische Indikatoren hinaus, abbilden zu können. Dies lieferte unter anderem die Grundlagen für den Human Development Index. Die Philosophin Martha Nussbaum hat den Ansatz noch um wichtige Bereiche erweitert. Auf sie geht insbesondere die an die aristotelische Tugendlehre anknüpfende Liste von Grundbefähigungen zurück, die für ein gelingendes Leben wesentlich sind.

Alle Grundbefähigungen basieren auf universellen menschlichen Grundbedürfnissen, bspw. leben zu wollen (und nicht vorzeitig sterben zu müssen), Hunger und Durst zu stillen oder vor negativen Einflüssen geschützt zu sein. Die Grundbefähigungen erlauben es, diese Bedürfnisse potentiell befriedigen zu können. Ihre konkrete Ausgestaltung bzw. Formulierung ist dabei aber Gegenstand eines fortwährenden gesellschaftlichen Diskurses und Revisionsprozesses. Dies zeigt bspw. auch der Vergleich mit den von Aristoteles formulierten Tugenden.

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Die eigentliche Zielgröße im Capability Approach sind aber die Verwirklichungschancen, für die neben den individuellen Fähigkeiten noch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen betrachtet werden müssen. Letztere sind es, die eine Entfaltung der Potenziale überhaupt erst ermöglichen (oder ggf. eben auch verhindern können). Neben dieser sehr humanistischen, an der Menschenwürde orientierten, Betrachtungsweise ist der Capability Approach unter anderem auch wegen seiner nicht normativen Ausrichtung hoch attraktiv. Damit ist gemeint, dass es, völlig selbstbestimmt, der individuellen Vorstellung eines jeden Menschen überlassen bleibt, in welcher Form die vorhandenen Potenziale, auf dem Hintergrund der gegebenen Realfreiheiten, genutzt werden.

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Der Capability Approach eignet sich daher besonders für Fragestellungen, bei denen Personenzentrierung, Sozialraumorientierung oder Inklusion relevant sind. Dies erklärt die weite Verbreitung im Bereich der Behindertenhilfe, macht den Ansatz aber neben der Kinder- und Jugendhilfe auch für eine Vielzahl von weiteren sozialwissenschaftlichen Disziplinen interessant. Der Capability Approach genießt entsprechend eine hohe internationale Wertschätzung, etwa bei Vereinten Nationen (UNO), Weltbank, Politik (z. B. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung) sowie Deutschem Caritasverband und Caritas International. Im Hinblick auf die Wirkungsforschung in der Erziehungsberatung ist er mit den hierzu notwendigen Anforderungen kompatibel.